Der Heidenkönig

Kastell Radboud, Medemblik/NL

Kastell Radboud, Medemblik/NL

Bis weit ins Mittelalter hinein widersetzten sich die Friesen dem neuen christlichen Glauben und betrachteten Missionarisierungsversuche vor allem als Unterwerfungsmittel des sich ausdehnenden Fränkischen Reichs. Noch unter dem sagenumwobenen Friesenkönig Radbod, dessen Reich sich Anfang des 8. Jahrhunderts über ganz Friesland vom heutigen Belgien bis zur Weser erstreckte, waren die Friesen überzeugte Heiden.

Der Überlieferung zufolge reiste der angelsächsische Benediktinermönch Willibrord zur Wiltaburg ins niederländische Utrecht, um Radbod für den katholischen Glauben zu gewinnen. Doch der widersetzte sich dem missionarischen Eifer und hielt sich an das für die friesische Unabhängigkeit stehende Heidentum.

Im Kampf gegen die Christianisierung ließ König Radbod angeblich Kirchen verwüsten und Priester ermorden. Der bekanntesten Sage nach gelang es den friedlich pilgernden Missionaren Willibrord und Wulfram zwar, ihn kurz für das Christentum zu interessieren. Aber mit einem Fuß im Taufwasser machte Radbod einen Rückzieher. Er hatte die Missionare gefragt, ob er im Himmel auf seine Vorfahren treffen würde. Diese verneinten. Alle Heiden seien in die Hölle gekommen. „Wenn das so ist, bin ich lieber mit meinen Verwandten in der Hölle als mit fremden Leuten im Himmel“, entgegnete Radbod und ließ sich nicht bekehren. Seine Landsleute folgten seinem Beispiel. Erst Jahrzehnte nach seinem Tod setzte sich der neue Glaube in Friesland durch. Friesenkönig Radbod starb im Jahre 719.

Die Friesen verteidigten noch 100 Jahre mit Zähnen und Klauen ihren Kult. Erst der heilige Liudger brachte die Wende. Der Friesenapostel kam nach Helgoland, zerstörte das Fosetis-Heiligtum und baute an dessen Stelle eine Kirche. Man geht davon aus, die Christianisierung der heidnischen Friesen habe sich auf Helgoland entschieden. Die Bedeutung der Insel in der religiösen Vorstellung der Friesen sei derart herausragend gewesen, dass auch die auf dem Festland und den Küsteninseln lebenden Stammesangehörigen von der Umwidmung des Götzenheiligtums tief beeindruckt gewesen sein mussten.

Kastell Radboud

Schon in vorchristlicher Zeit haben heidnische Völker zwei oberste Grundsätze im Leben erkannt: Achte die Naturgesetze und nimm dein Leben selbst in die Hand! Nichts davon ist den Christen gemein. Sie meinen im Gegensatz dazu, sich auf ebenso kurzsichtige wie überhebliche Weise die Erde untertan machen zu müssen und legen dabei ihr eigenes Schicksal in die „Hände“ einer Phantasievorstellung.
(Claus Nordbruch)

2 Antworten

  1. Du hast leider Recht seit dem das das Christentum zur Staatsreligion geworden ist mit der konstantinischen Wende hat das Christentum sich immer viel zu sehr mit den „weltlichen Mächten“ teile und herrsche gequickt.
    Von der Legende um den Friesenkönig Radbod habe ich auch schon mal gehört und der Mann hat den größten Respekt von mir.
    Nur das witzige an der ganzen Geschichte ist, dass diese Missionare Idioten waren. Sie können nichts darüber aussagen, wer sich im Himmelreich befindet. Das ist die überhebliche Hybris zu der die christliche frohe Botschaft viel zu häufig missbraucht wird.
    Das ist auch oft das Lästige, was ich bei den vielen Christen erlebe, dass ich nicht bereit bin anzuerkennen, dass es verdammte Menschen gibt und schon gar nicht solche die es bis dahin gar nicht anders gewusst haben.

  2. Die Geschichten über alte Kulturen sind wirklich faszinierend.

    Bei den alten Azteken z.B. war das Sozialsystem zu Zeiten, als in Europa Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden, sehr hoch entwickelt. Ganz oben in der Fürsorge standen in Notzeiten alte Menschen, Frauen und Kinder.

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